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32 23.09.2010

Eyeout Berlin: Kunstführer sucht Kunstliebhaber

Galeria de Arte Juvenal Antunes. Foto: Val Fernandes via Talita Oliveira/Flickr under Creative Commons Licence

Wenn Sie sich mal eben über das Kulturangebot der Hauptstadt informieren wollen, dann ist EYEOUT Berlin (3,99 Euro, iTunes-Link) womöglich die falsche App für Sie. Der Mobile Art Guide für das iPhone ist vor allem für jene interessant, die sich regelmäßig in der Kunstszene bewegen: Galeristen, Künstler, Sammler – oder solche, die es werden wollen.

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Für Datenbankexperten mag es zwar nach einer tollen Herausforderung klingen, sämtliche Museen und Galerien der Hauptstadt sowie ihren ständig wechselnden Künstler und Ausstellungen eine Ordnung zu geben, aber um es vorweg zu nehmen: Vollständigkeit ist nicht das Ziel der Entwickler von EYEOUT Berlin. Hinter dem Claim „The Mobile Art Guide“ steckt eine redaktionelle Auswahl von zur Zeit rund 170 Orten in Berlin – in der App als „Venues“ bezeichnet –, die für Kunstinteressierte und Profis Relevanz besitzen.

Neben „Venues“ kann der Nutzer auch über die Punkte „Exhibitions“ (Ausstellungen), „Openings & Events“ (Eröffnungen und Veranstaltungen) und „Artists“ (Künstler) in die Kunstszene von EYEOUT Berlin eintauchen.

Hinter jedem Punkt verbirgt sich eine chronologisch oder alphabetisch geordnete Liste.

Die einzelnen Angebote sind leider nur zum Teil mit Foto und einer kurzen Beschreibung versehen.

Eine Redaktion sorgt dafür, dass die Termine und Ausstellungen aktuell sind, und pflegt neue Angebote ein. Galerien können sich zwar bewerben, die Entscheidung, welche Institutionen in die Datenbank aufgenommen werden, trifft die Redaktion. „Wir nennen das curated content“, so Jan Winkelmann, Gründer und Chefredakteur, von EYEOUT Berlin, im Rahmen der iPhone-Session, die regelmäßig im Telekom-Shop 4010 in Berlin-Mitte stattfindet. Damit sei sichergestellt, dass die Zielgruppe auf ein hochwertiges Umfeld trifft.

Ivo Wessel, Entwickler und selbst Kunstsammler, beschreibt den Anwendungsfall: „Die App hilft Ihnen, sich in der Kunstszene zu orientieren und den Überblick zu behalten. Gerade wenn Sie wenig Zeit haben, sind Sie mit einem Klick über das Geschehen in Ihrer Umgebung im Bild.“ Gemeint ist die „Locate Me“-Funktion. Sie stellt auf einer Karte sämtliche Kunstangebote um den Standort des Nutzers dar.

Auch wenn der Datensatz von aktuell 170 Venues überschaubar scheint, sind die Filterfunktionen gut gelöst. Sie grenzen das Angebot weiter ein. Zum Beispiel lassen sich durch das Setzen entsprechender Häkchen nur die Ausstellungen anzeigen, die aktuell beginnen oder enden.

Voraussetzung für diesen Service ist, dass der Nutzer die Datenbank aktualisiert hat. Über die Funktion „Update Content“ bietet EYEOUT Berlin im Wochenrhythmus ein komplettes Update des Inhalts an. Die Updates sind kostenlos.

Praktische Zusatzfunktionen: Jeder Eintrag kann als Todo oder Favorit gespeichert oder per E-Mail weiterempfohlen werden. Beim Update werden die Einstellungen mitgesichert und anschließend wiederhergestellt.

Winkelmann und sein Team planen, das Angebot nicht nur in Berlin, sondern national und international auszubauen. Neben EYEOUT Berlin gibt es bereits die App EYEOUT Zürich (2,99 Euro, iTunes-Link). Im Visier sind Apps für Köln, Düsseldorf und London.

Es wird interessant zu beobachten sein, wie die Macher den aufwändigen redaktionellen Betrieb und die Expansion langfristig finanzieren werden. Wessel spricht von einem „komplexen Geschäftsmodell“, das unter anderem auf dem Verkauf der App beruht. Zum anderen sollen Galerien dafür bezahlen, in die App aufgenommen zu werden.

Ob die App allein erfolgreich sein kann, ist schwer zu beurteilen: Touristen oder Kunstneulinge werden vielleicht (noch) nicht jeden ihnen bekannten Künstler oder in der Stadt beworbene Ausstellung wiederfinden. Umgekehrt sind die Kunstprofis einer Stadt gut informiert und sicher keine Massenzielgruppe, auch wenn die Macher betonen: „Diese App hat uns immer gefehlt, deshalb haben wir sie gemacht.“ Wie oft EYEOUT Berlin seit dem Launch im Mai bislang heruntergeladen wurde, wollen Winkelmann und Wessel aber noch nicht verraten.

Fazit: EYEOUT Berlin ist von Kunstliebhabern für Kunstliebhaber gemacht. Das ist eine gute Voraussetzung für eine nachhaltige Entwicklung des noch ausbaufähigen Angebots. Die Macher versprechen, so aktuell wie möglich zu sein und kein wichtiges Event auszulassen. Neulinge könnte der Kaufpreis daran hindern, sich von dem Angebot zu überzeugen. Profis sind sicher in der Lage, das Sparpotenzial in der App zu entdecken: Einmalig 3,99 Euro sind günstiger, als ohne Orientierung mit dem Taxi durch Berlin zu fahren.

Credits: (cc) Talita Oliveira/Flickr

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