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441 20.06.2011

Aboalarm: „Wir verstehen uns als Anwalt der Verbraucher“

300.000 Downloads in vier Wochen. Im App Store entwickelte sich der Verbraucherservice Aboalarm (Universal-App, iTunes-Link) innerhalb kürzester Zeit zum Hit. Jetzt legte der Kündigungsservice mit einem Update nach. justapps.de sprach mit Geschäftsführer Bernd Storm über Datenschutz, den langen Weg zur Android-Applikation und die nächsten Schritte.

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Herr Storm, Aboalarm gibt es seit 2008. Doch erst 2011 sind Sie durchgestartet. Was hat Aboalarm so erfolgreich gemacht?

Wir sind damals sehr leise gelauncht. Aboalarm war zu diesem Zeitpunkt ein Projekt, das von zwei Leuten betrieben wurde, hauptsächlich am Wochenende oder am Abend – neben unseren regulären Jobs. Wir hatten uns ganz bewusst für den soften Launch entschieden und wollten das Produkt erst einmal nur unterm Radar weiterentwickeln. Daher haben wir uns damals auch ganz bewusst gegen PR entschieden. Unser Ziel war es,  das Produkt so weit zu bringen, dass es tragweitenfähig und von den Nutzern weiterempfohlen wird. Dadurch hatten wir eine kritische Masse an Nutzern erreicht und sind damit erstmalig den Medien aufgefallen. Der Launch der App hat uns 2011 noch einmal kräftig gepusht.

Uns ist ein guter Wurf gelungen. Innerhalb von nur vier Monaten hatten wir knapp 300.000 Downloads. Die sonst eher dröge Vertragsverwaltung wurde plötzlich interessant, weil wir die Möglichkeit bieten, mit einer Unterschrift schnell und unkompliziert kündigen zu können – das gefällt den Leuten!

Was war denn der Anlass, die App zu machen?

Offenbar hatten wir zum richtigen Zeitpunkt die richtige Idee. Vertragsverwaltung und Kündigen sind doch ein total nerviges Thema. Mit solch lästigen Dingen möchte man seine Freizeit nicht verbringen. Viel lieber wollen die Leute on-the-go- kündigen, wenn sie ohnehin die Zeit totschlagen müssen, wie zum Beispiel beim Arzt. Wir haben vermutet, dass Kündigen ein mobiles Thema sein könnte. Hinzu kommt, dass die Smartphones mit ihren verbesserten Touchscreens jetzt die Möglichkeit bieten, gleich mit dem Finger zu unterschreiben. Wir dachten, die Kombination aus Zeiteffizienz und Technik probieren wir aus. Und anscheinend lagen wir richtig.

Für die, die den Service noch nicht kennen: Was macht Aboalarm?

Aboalarm ist eine Vertragsverwaltung für Privatpersonen und sorgt dafür, dass die Nutzer Geld sparen. Und zwar dadurch, dass sie jene Verträge kündigen, die sie nicht mehr brauchen, wie zum Beispiel die zweite Bahncard, Handyverträge oder Zeitschriften-Abos, die nicht mehr gelesen werden. Zum anderen bieten wir an, bestehende Verträge zu optimieren beziehungsweise bessere Konditionen anzubieten.

Mit Blick auf einige Datenskandale in den letzten Wochen: Der User gibt bei euch auch extrem viele sensible Daten preis. Wie gewähren Sie den Datenschutz?

Wir sind datensparsam, das heißt wir nehmen nur Fakten auf, die wirklich notwendig sind, wie den Namen des Vertragsanbieters oder die Vertragslaufzeit für die Kündigungserinnerung. Für alles Weitere, wie das Erstellen der Kündigungsschreiben oder dem Faxversand, ist keine Dateneingabe notwendig. Daten nicht registrierter User, die beispielsweise nur ein Fax verschicken, werden durch uns sofort gelöscht, wenn der Faxvorgang abgeschlossen ist. Das Sendeprotokoll heben wir noch drei Monate auf. Und das nur deshalb, weil es gelegentlich erneut von Nutzern angefragt wird, weil es verlegt oder nicht gefunden wurde.

Kein Dritter erhält Zugriff auf personenbezogene Daten. Wir sind nicht zuletzt dadurch bekannt geworden, weil wir uns als Anwalt der Verbraucher verstehen. Wir würden uns selbst schaden, wenn wir das Vertrauen der Nutzer durch die Weitergabe von Daten verspielen würden. Durch hohe technische Standards, wie zum Beispiel einer https-Verschlüsselung, können wir den Zugriff Dritter auf die Daten ausschließen. Das Thema Datensicherheit war auch bei der Entwicklung der App ein wichtiges Thema für uns. Mit einem vierstelligen Sperrcode können die Nutzer selbst ihre Daten zusätzlich schützen.  Im Falle eines Diebstahls des Gerätes können Dritte somit keine Daten einsehen.

Wie verdienen Sie mit diesem kostenlosen Service Geld?

Wir versuchen, den Dienst für den Endverbraucher möglichst kostenlos zu halten. Allerdings verlangen wir momentan im Schnitt 1,49 Euro für den Faxversand. Hinzu bieten wir Premium-Mitgliedschaften an, die in den letzten Monaten immer beliebter geworden sind. Der Vorteil ist hierbei, dass man persönliche Tarifberatung erhält, Verträge und Dokumente archiviert, verwaltet und analysiert werden.

Perspektivisch sieht unsere Unternehmensplanung vor, unseren Service kostenlos anzubieten. Das erreichen wir dadurch, dass wir künftig nicht mehr durch die Faxe, sondern durch Vertragsvermittlung kostendeckend arbeiten werden. Wir bieten Kunden, die ohnehin ihren Vertrag kündigen möchten, völlig unverbindlich und neutral einen neuen Vertrag zu deutlich besseren Konditionen an. Für diese Vermittlung erhalten wir eine Prämie von den Unternehmen, wenn ein Vertrag abgeschlossen wird. Es wird dabei immer unser oberstes Ziel bleiben, als neutraler Anbieter den besten und günstigsten Vertrag für den Kunden zu suchen.

Der nächste folgerichtige Schritt wäre dann doch ein großangelegter Tarifvergleich.

In der Tat haben wir in letzter Zeit ein paar Tests gemacht und sind daher mit einigen Vergleichsportalen intensiv im Gespräch. Interessant sind für uns diejenigen Portale, die die besten Angebote für unsere Nutzer machen können.

Viele Firmen reißen sich um Aboalarm. Wie reagieren Sie auf solche Angebote?

Wir werden nicht verkaufen. Dazu ist es zu spannend, die eigene Firma voranzutreiben und eigene Ideen verwirklichen zu können. Allerdings sind viele Ideen nicht ohne weiteres Kapital schnell umsetzbar. Daher sprechen wir derzeit mit möglichen Investoren über Beteiligungen. Wir sind in der Auswahl jedoch vorsichtig, denn uns beiden Gründern ist es wichtig, die operative Führung und strategische Ausrichtung des Unternehmens weiterhin nach unseren Vorstellungen  voranbringen zu können. Nicht zuletzt, weil wir unsere Neutralität gegenüber unseren Nutzern wahren wollen.

Was sind Ihre nächsten Schritte?

Vor wenigen Tagen haben wir eine neue Version der iOS-App released, die viele neue Features enthält, welche zum Beispiel eine noch umfangreiche Vertragsverwaltung und -archivierung möglich machen. Jetzt arbeiten unser Entwickler unter Hochdruck am Finish der Android-App, die zeitnah folgen wird. Leider verzögert sich die Entwicklung immer wieder, da wir einen ähnlich hohen Standard setzen wollen, wie mit unserer IOS-App. Das ist bei Android aufgrund der Gerätevielfalt gar nicht so einfach.

Ist die Entwicklung von Android- und iOS-Apps so unterschiedlich?

Als wir mit iOS launchten, wollten wir erst einmal ein funktionsfähiges Produkt haben, bevor wir Android richtig anfassen. Ein Problem bei Android war beispielsweise das Setzen der Unterschrift. Das ist sehr hardwareabhängig. Und wir möchten ja auch den Gebrauch auf älteren oder schwächeren Geräten gewährleisten.

Haben Sie Daten darüber, welche Endgeräte von den Nutzern am meisten genutzt werden?

Ganz klar das iPhone. Das sieht man bei den Downloadzahlen. Beim iPhone haben wir ein besseres Ranking als beim iPad. Wir merken, dass Kündigen mit der App eine mobile Angelegenheit ist. Wer Zeit sparen möchte, erledigt seine Kündigungen von unterwegs über das iPhone. Das iPad hingegen ist ein Gerät, das eher daheim genutzt wird. Aber vielleicht wird sich die Endgerätenutzung ändern, wenn die App noch stärker zur Vertragsverwaltung genutzt wird, weil der Nutzer seine Daten zur Hand haben muss.

Hat sich die starke App-Nutzung negativ auf den Traffic der Webseite ausgewirkt? Oder gab es positive Effekte?

Auf jeden Fall Positive. Durch den Launch der eigenen App ist die Marke Aboalarm viel bekannter geworden, wodurch wir deutlich mehr Traffic bekommen haben. Unter anderem auch direkten Traffic. Die Zahl der Personen, die Aboalarm nutzen, ist massiv angestiegen und auch die Visits haben stark zugenommen.

Denken Sie darüber nach, auf HTML5 umzusteigen?

Die Technik schreitet rasch voran. Wir werden die Entwicklung beobachten und schauen, wie wir die Vorteile von HTML5 für uns und unsere Nutzer einsetzen können.

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